Virtual Reality EMDR im Vergleich zu 2D EMDR und Exposure only
Experimentelle Studie zu Emotionalität und Vividness aversiver Erinnerungen

Partnerorganisation: Tilburg University
Studientyp: kontrollierte experimentelle Studie mit drei Bedingungen
N: 195 Studierende
Hintergrund und Ziel
EMDR wird häufig mit einem visuellen Stimulus auf einem zweidimensionalen Bildschirm durchgeführt. Ausgehend vom Arbeitsgedächtnismodell wird angenommen, dass Dual Tasking während der Aktivierung einer Erinnerung zu einer Reduktion von Emotionalität und Vividness führt. VR kann durch höhere Immersion die Aufmerksamkeit stärker binden und externe Ablenkung reduzieren, was theoretisch zu einer stärkeren Arbeitsgedächtnisbelastung und möglicherweise zu einer größeren Reduktion der Emotionalität führen kann. Ziel dieser Studie war es, VR EMDR mit computergestütztem EMDR auf einem traditionellen Bildschirm sowie mit einer Exposure-only-Bedingung zu vergleichen, mit Fokus auf Veränderungen von Emotionalität und Vividness aversiver Erinnerungen.
Experimentelles Design
Die Teilnehmenden wurden einer von drei Bedingungen zugeteilt. Die erste Bedingung war Exposure only, bei der Teilnehmende passiv auf einen schwarzen Bildschirm blickten, ohne aktive Intervention. Die zweite Bedingung war computerized EMDR, bei der EMDR über einen konventionellen zweidimensionalen Computerbildschirm durchgeführt wurde. Die dritte Bedingung war VR EMDR, durchgeführt mit Hilfe eines VR Headsets in einer dreidimensionalen Umgebung.
Outcome Maße
Emotionalität und Vividness negativer Erinnerungen wurden mit visuellen Analogskalen auf einer Skala von 1 bis 10 gemessen, wobei höhere Werte größere emotionale Intensität und Lebendigkeit anzeigen. Messungen erfolgten vor und nach der Intervention, sodass Veränderungen zwischen den Bedingungen verglichen werden konnten.
Ergebnisse
VR EMDR führte zu einer signifikanten Abnahme von Emotionalität und Vividness aversiver Erinnerungen. VR EMDR war mindestens ebenso effektiv wie computerized EMDR. Für Emotionalität wurde zudem eine signifikant stärkere Abnahme in der VR-Bedingung im Vergleich zur 2D-Bedingung gefunden. Die Exposure-only-Bedingung zeigte kaum Veränderungen, was die Wirksamkeit der aktiven EMDR-Interventionen stützt und die Wahrscheinlichkeit verringert, dass Effekte ausschließlich durch Zeit oder wiederholte Messung erklärbar sind.
Interpretation und klinische Relevanz
Die Ergebnisse stützen die Annahme, dass VR EMDR eine valide Form der EMDR-Darbietung sein kann. Der Hinweis auf eine stärkere Abnahme der Emotionalität in VR passt zur Hypothese, dass Immersion und Aufmerksamkeitsbindung die Arbeitsgedächtnisbelastung verstärken können. Klinisch ist relevant, dass VR EMDR einer bildschirmbasierten Variante nicht unterlegen ist, da dies Implementationsentscheidungen auf Basis von Kontext, Präferenz und Logistik ermöglicht. VR kann Vorteile in der Standardisierung von Stimulusparametern, in der Reduktion externer Ablenkung und möglicherweise in der Akzeptanz bei manchen Nutzern bieten. Gleichzeitig bleibt es wesentlich zu betonen, dass es sich um eine Studierendenpopulation handelt und die Übertragbarkeit auf klinische PTBS oder komplexe Traumapopulationen empirisch geprüft werden muss.
Limitationen
Die Population bestand aus Studierenden, wodurch die Generalisierbarkeit begrenzt ist. Die Studie untersuchte aversive Erinnerungen, jedoch nicht zwingend klinische Traumadiagnosen. Zudem wurden Langzeiteffekte nicht untersucht.
Schlussfolgerung
Diese kontrollierte experimentelle Studie stützt, dass VR EMDR wirksam ist, um Emotionalität und Vividness aversiver Erinnerungen zu reduzieren, und mindestens ebenso effektiv ist wie 2D EMDR. Die Ergebnisse bieten eine empirische Basis für weitere klinische Studien und stützen die wissenschaftliche Unterbauung von Psylaris Care innerhalb von EMDR-Anwendungen.